Das Verschwinden des Philip S.

Lesung mit Hella-Birgit Mascus
September 1967, der Schweizer Student Philip S. beginnt sein Studium an der Filmhochschule Berlin. Auf dem Flur lernt er die alleinerziehende Ulrike Edschmid kennen, bietet ihr Hilfe bei ihrem Umzug an und zieht gleich mit ein.
Die politischen Ereignisse überschlagen sich in dieser Zeit. Dutschke wird erschossen, Hanoi bombardiert, alte Nazis fällen Richtersprüche, ein Kaufhaus brennt in Frankfurt. Anfänglich gehen die beiden noch gemeinsam auf neuen Wegen, leben in Wohngemeinschaften, diskutieren, demonstrieren, gründen Kinderläden, drucken Flugblätter.
Doch dem stillen Schweizer aus wohlhabendem, puritanischem Elternhaus genügt das nicht mehr. Edschmid reflektiert sehr persönlich und liebevoll das sich Radikalisieren und das Verschwinden ihres Lebensgefährten aus ihrem gemeinsamen Leben, versucht erste Anzeichen rückblickend zu lesen. „Wir sind nicht an den gleichen Ort zurückgekehrt, nicht in das gleiche Leben. Aber das wissen wir noch nicht“, schreibt sie nach einem Gefängnisaufenthalt beider. Während sie die Fürsorge um ihren Sohn vom radikalen Weg abhält, erprobt sich Philip darin, sich an nichts und niemanden gebunden zu fühlen.