JEKATERINBURG – BOCHUM

Inszenierung einer Begegnung

Porträts Maria Wolf (links) und Alexandra Protasova (Ankündigung der Inszenierung einer Begegnung im ZEITMAUL-Theater Bochum)
Im Februar 2020 erhielt die deutsche Schauspielerin Maria Wolf eine E-Mail von einer ihr unbekannten russischen Kollegin. Alexandra Protasova hatte sie im Internet ausfindig gemacht und bat sie, ihr bei der Aussprache eines deutschen Stückes behilflich zu sein. Trotz der Sprachbarrieren entwickelten die beiden eine innige (Fern-)Beziehung, verwirklichten zwei Projekte miteinander, ohne sich je getroffen zu haben. Schließlich entstand der Plan, sich endlich zu sehen und in Präsenz zusammen zu arbeiten. Nicht nur Corona legte den beiden immer wieder Steine in den Weg. Das vom Goetheinstitut Moskau mit einer Förderung ausgezeichnete Projekt ermöglicht nun den beiden Künstlerinnen zum ersten Mal zusammen auf der Bühne zu stehen. Es verquickt diese ungewöhnliche Fernbeziehung mit einem bekannten Paar aus der Literaturgeschichte: Rainer Maria Rilke und Marina Zwetajewa… mehr Letztere schrieben sich Briefe und inspirierten einander ohne sich je getroffen zu haben. So schlüpfen die beiden Schauspielerinnen mal in die Rollen der DichterIn, mal in ihre eigene, jonglieren mit zwei Sprachen und der Dichtung, übersetzen und lassen auch mal Google Translate versuchen, was dabei rauskommt. Die zweisprachige Aufführung zeigt Zusammenarbeit über Grenzen hinweg und Freundschaft in schwierigen Zeiten. Es geht um deutsche und russische Dichtung, um Sprache an sich, ihren Klang, die Schwierigkeit und Leichtigkeit von Übersetzungen und um die Verständigung zwischen Völkern.

Mit: Maria Wolf und Alexandra Protasova
Musik: Serge Corteyn
Projektionen: Michael Georgi
Regie: Witek Danielczok